Spanien zeigt erneut, dass Wirtschaftswachstum nicht immer mit politischer Stabilität einhergeht. Trotz anhaltender Spannungen in der Politik wächst die spanische Wirtschaft schneller als die vieler anderer europäischer Länder. Nach aktuellen Zahlen gehört Spanien zu den Spitzenreitern innerhalb der Europäischen Union, was vor einigen Jahren noch undenkbar schien.
Die spanische Wirtschaft profitiert vor allem von einem starken Dienstleistungssektor. Der Tourismus spielt dabei eine große Rolle, aber auch die Migration erweist sich als wichtiger Motor für das Wachstum. In den letzten Jahren sind etwa 1,2 Millionen ausländische Arbeitnehmer hinzugekommen. Sie arbeiten vor allem in Branchen, in denen es einen großen Personalmangel gab, wie Gastronomie, Landwirtschaft, Bauwesen und Gesundheitswesen, und sorgen so für zusätzliche Produktion und Steuereinnahmen.
Bemerkenswert ist, dass diese positiven Zahlen erzielt werden, obwohl das Land politisch alles andere als stabil ist. Spanien hat mit Minderheitsregierungen, schwierigen Verhandlungen und scharfen Gegensätzen zwischen den politischen Parteien zu kämpfen. Ökonomen zufolge wäre das Wachstum ohne den Zustrom ausländischer Arbeitnehmer sogar noch deutlich geringer ausgefallen.
Auch der Arbeitsmarkt trägt zu diesem positiven Bild bei. Die Beschäftigungsquote ist gestiegen und immer mehr Menschen haben einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Durch den zusätzlichen Zustrom von Arbeitskräften können Unternehmen weiterarbeiten und expandieren, was das Verbrauchervertrauen stärkt und zu höheren Ausgaben führt. Darüber hinaus profitiert Spanien von europäischen Investitionen und Reformen, die in den letzten Jahren durchgeführt wurden.
Kürzlich hat die Regierung außerdem Pläne vorgelegt, mehr als eine halbe Million Migranten vorübergehend zu legalisieren. Dabei handelt es sich vor allem um Menschen aus Südamerika, Südasien und Nordafrika, die bereits in Spanien arbeiten oder arbeiten können. Mit dieser Maßnahme will die Regierung Engpässe auf dem Arbeitsmarkt beseitigen und das Wirtschaftswachstum unterstützen.
Dennoch gibt es auch Bedenken. Die hohe Staatsverschuldung, die Inflation und die politische Unsicherheit bleiben weiterhin Punkte, die Aufmerksamkeit erfordern. Ökonomen warnen, dass eine anhaltende Instabilität das Vertrauen der Investoren beeinträchtigen könnte. Vorläufig scheint Spanien jedoch zu beweisen, dass Wirtschaftswachstum auch in einem politisch gespaltenen Land möglich ist.
Quelle: Agenturen





